Was der Tatort „Murot und der Elefant im Raum“ über Neurofeedback erzählt und warum das so nicht stimmt
In der Tatort-Folge Murot und der Elefant im Raum taucht Neurofeedback nicht als Therapieform, sondern als erzählerisches Mittel auf.
Neurofeedback dient im Film als Etikett. Der Begriff verleiht einer frei erfundenen Technik den Anschein medizinischer Seriosität, obwohl deren dargestellte Wirkung mit der realen Methode nichts zu tun hat.
Die Handlung
Kommissar Felix Murot ist psychisch stark belastet und befindet sich parallel zu seiner Ermittlungsarbeit in therapeutischer Behandlung. Dabei kommt eine technisch wirkende Apparatur zum Einsatz, die im Film als eine Weiterentwicklung von Neurofeedback bezeichnet wird, mit der man den eigenen inneren psychischen Raum betreten und in das Unterbewusstsein vordringen könne.
Gleichzeitig ermittelt Murot in einem Vermisstenfall. Eine Frau hat ihren kleinen Sohn entführt und sich mit ihm in eine abgelegene Waldhütte zurückgezogen. Nach einem Unfall fällt sie ins Koma. Der Aufenthaltsort des Kindes ist unbekannt und klassische Ermittlungsansätze liefern zunächst keine entscheidenden Hinweise.
Der Film verknüpft diese beiden Ebenen. Murot nutzt die Apparatur zur Auseinandersetzung mit seiner eigenen Psyche und später, um in das Bewusstsein der komatösen Mutter einzutreten, indem beide Elektrodenkappen tragen. Die Idee, zwei Menschen miteinander zu verbinden, um in das Unterbewusstsein einer Person einzudringen, wird als neue, bislang nicht erprobte Erweiterung dargestellt. Diese innere Welt wird als surrealer, begehbarer Raum inszeniert. So stößt Murot auf Hinweise, die letztlich zur Rettung des Kindes beitragen. Parallel verzeichnen auch konventionelle Ermittlungen Erfolge. Das Kind wird lebend gefunden.
Warum die Darstellung von Neurofeedback nicht der Realität entspricht
Der Begriff “Neurofeedback” ordnet die gezeigte Technik sprachlich dem medizinisch-therapeutischen Kontext zu, ohne ihre Funktionsweise zu erläutern. Während der Anwendung zuckt Murot krampfartig, wirkt nach dem Aufenthalt im inneren psychischen Raum der komatösen Frau desorientiert, zeigt halluzinatorische Symptome und verursacht im weiteren Verlauf beinahe einen Verkehrsunfall. Die Inszenierung erinnert an neurologische Notfälle, Überstimulation und Kontrollverlust. Neurofeedback wird dabei nicht ausdrücklich als gefährlich bezeichnet, aber visuell mit körperlicher Entgleisung und Risiko verknüpft.
Für Fachleute ist diese Darstellung als Fiktion erkennbar, für ein Laienpublikum kann sie jedoch zu einem falschen Verständnis eines realen therapeutischen Verfahrens führen. Tatsächlich wird beim Neurofeedback die Gehirnaktivität erfasst und in ein Feedback übersetzt, das Regulationsprozesse unterstützt. Krampfanfälle, Desorientierung oder halluzinatorische Zustände sind medizinische Notfälle, kein therapeutischer Effekt. Es ist auch nicht möglich, die Gedanken einer anderen Person zu lesen oder in ihr Unterbewusstsein einzudringen. Die im Film gezeigte Darstellung ist daher keine vereinfachte Version der Realität, sondern eine grundlegend andere Konstruktion, bei der einem realen Verfahren Eigenschaften zugeschrieben werden, die es nicht hat.
Fazit
Der Begriff “Neurofeedback” wird verwendet, um einer fiktiven Technik Glaubwürdigkeit zu verleihen. Genau deshalb lohnt es sich, diese Darstellung einzuordnen und klar zu benennen, was sie ist: Fiktion mit realem Vokabular, nicht die Abbildung eines therapeutischen Verfahrens.