Neurofeedback in der Physiotherapie – wenn Körper und Gehirn gemeinsam lernen
Hightech fürs Köpfchen: Neurofeedback in der Physiotherapie
Im September 2025 erschien in der Fachzeitschrift pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten ein Interview mit Charlotte Wolf, Physiotherapeutin, Heilpraktikerin und Anwenderin des ILF-Neurofeedbacks mit Geräten von BEE Medic. Darin spricht sie darüber, wie sich Neurofeedback sinnvoll in die physiotherapeutische Arbeit integrieren lässt – und welche Chancen sich dadurch für Patientinnen und Patienten sowie Therapeutinnen und Therapeuten ergeben. In diesem Blogbeitrag fassen wir die wichtigsten Inhalte zusammen.
Was ist Neurofeedback?
Neurofeedback ist ein wissenschaftlich fundiertes Training für das Gehirn. Über Elektroden wird die Gehirnaktivität gemessen und in Echtzeit zurückgemeldet. Diese Rückmeldung erfolgt durch subtile visuelle und auditive Veränderungen in einem laufenden Film, Spiel oder einer Animation. Das Gehirn beginnt mit dem System zu interagieren und kann durch diese Rückmeldungen lernen, seine Aktivität selbst zu regulieren. So verbessert sich die Fähigkeit zur Selbststeuerung, was sich positiv auf Konzentration, Stressverarbeitung, Schlaf, Schmerzempfinden und viele weitere Bereiche auswirken kann.
Wenn klassische Physiotherapie an Grenzen stößt
Manchmal reichen manuelle oder körperzentrierte Therapien allein nicht aus, um Schmerzen, Verspannungen oder neurologische Symptome nachhaltig zu beeinflussen. Die Ursache liegt häufig tiefer – im Gehirn selbst. Genau hier setzt Neurofeedback an: Es trainiert die Sebstregulierungsfähigkeit des Gehirns und unterstützt damit die körperliche Arbeit der Physiotherapie.
Warum Neurofeedback und Physiotherapie sich ideal ergänzen
Charlotte Wolf beobachtet in ihrer Praxis: „Ich setze Neurofeedback unterstützend ein, wenn ich den Eindruck habe, dass eine Fehlregulation des Gehirns den Therapieverlauf behindert oder zur Symptomatik beiträgt.“
Gerade bei Spannungsproblemen, Migräne, chronischen Schmerzen oder neurologischen Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Parkinson, Morbus Sudeck oder Fibromyalgie kann das Zusammenspiel aus Neurofeedback und Physiotherapie entscheidend sein. Während die Physiotherapie direkt am Körper arbeitet, unterstützt Neurofeedback das zentrale Nervensystem darin, sich selbst zu regulieren und flexibel sowie situationsgemäß zu reagieren – die Grundlage dafür, dass körperliche Veränderungen auch langfristig wirksam bleiben.
So sieht die Kombination in der Praxis aus
Charlotte Wolf integriert Neurofeedback auf zwei Arten in ihren Therapiealltag:
- Getrennt innerhalb einer Woche: Eine Sitzung Physiotherapie, eine Sitzung Neurofeedback.
- Kombiniert in einer Einheit: Zuerst körpertherapeutische Arbeit, danach Neurofeedback (oder umgekehrt). Gesamtzeit ca. 1,5 Stunden.
Patientinnen und Patienten profitieren häufig von besserer Entspannungsfähigkeit, reduzierten Schmerzen und einer besseren Körperwahrnehmung.
Peak Performance: auch über die Therapie hinaus
Neben der Arbeit mit Patientinnen und Patienten kann Neurofeedback auch im Peak-Performance-Bereich eingesetzt werden. Hier steht nicht die Behandlung einer Störung im Vordergrund, sondern die Optimierung von Leistungsfähigkeit, Konzentration und Stressresilienz.
Geduld und Training statt Wundermittel
Wolf betont, dass Neurofeedback kein Ersatz für andere Therapieformen ist, sondern ein Training, das Zeit und Regelmäßigkeit braucht. Das Gehirn lässt sich nicht „umprogrammieren“. Es lernt, sich selbst zu regulieren. „Unser Gehirn ist keine Maschine, an der man nur eine Schraube festzieht. Aber durch wiederholtes Training kann es zurück in die Balance finden.“
Fazit
Neurofeedback eröffnet der Physiotherapie eine neue Dimension: Es erweitert die körperliche Arbeit um die neuronale Ebene. Besonders bei chronischen oder stressbedingten Beschwerdebildern – aber auch im Bereich Leistungsoptimierung und Prävention – kann diese Kombination entscheidend sein, um den Weg zu mehr Wohlbefinden, Funktionsfähigkeit und mentaler Stärke zu ebnen.